Kleine Führung durch die Friedenskirche Merzig

 

Die am 9. November 1865 eingeweihte evangelische Friedenskirche Merzig ist eine im neugotischen Stil errichtete einfache Hallenkirche. Sie bietet Platz für ca. 120 Gläubige, was in der damaligen Zeit mehr als ausreichend war, denn in der flächenmäßig riesigen Gemeinde (von Beckingen bis Saarburg und von Perl bis Wadern) lebten nur 100 Protestanten. Die Kirche wurde von außen zuletzt 2007 gründlich renoviert. Der Vorplatz wurde im Rahmen des Projekts „Gärten ohne Grenzen“ im Jahr 2005 zum „Garten der Einkehr“ umgestaltet.

Von Innen erfuhr die Kirche im Sommer 2014 eine völlige Neugestaltung durch den Wiesbadener Künstler Eberhard Münch und seine Frau.

 

 

 

Die Nischen auf der Rückseite

 

In der Nische auf der vom Altar aus gesehen linken Rückseite wurde eine Glasstele mit den 10 Geboten, dem Wort „du sollst deinen nächsten Lieben wie dich selbst“ und einem Zitat aus den Seligpreisungen aufgenommen („selig sind die Friedfertigen“). Dies sind auch in einer säkularen Gesellschaft sehr anerkannten Grundhaltungen. Nach christlicher Auffassung sind sie aber weit mehr: Gottes Offenbarung an die Menschheit, die er liebt und der er durch sein Wort Wege zum Frieden zeigen will. Leider wird dies von den Menschen immer wieder abgelehnt und hier ist die Ursache für Leid und Krieg zu sehen. An diese wird erinnert auf der vom Altar aus gesehen linken Seite. Die von Violett-tönen beherrschte Stele bildet den Hintergrund für ein Gedenkbuch, in dem an die Menschen erinnert wird, die in Kriegen seit der Einweihung der Kirche getöteten wurden. In der Stele findet sich der Schriftzug „In Memoriam“. Dieser greift eine Gedenktafeln auf, die bis zur Umgestaltung 2014 den Altarraum unserer Kirche beherrschten und als Mosaike aus dem Hause Villeroy und Boch ausgeführt waren.  Im mittleren Segment war zu Lesen „in Memoriam“ und in Frakturschrift „Den Opfern des Krieges 1939-1945.“ In den Segmenten rechts und links davon die Namen der im 2. Weltkrieg gefallenen Soldaten aus der Gemeinde. Bilder von diesen Tafeln und die Namen der Männer werden nun im Gedenkbuch gezeigt. Außerdem die Namen der im 1. Weltkrieg gefallenen Männer. Diese sind auf einer großen Holztafel verzeichnet, die bis Sommer 1914 ebenfalls in der Kirche hing und nun im Foyer des Gemeindehaueses ausgestellt wird.  Im Gedenkbuch werden aber auch einzelne Schicksale der Männer ausführlich dargestellt und die Namen der zivilen Opfer genannt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wandgemälde

Die Mosaike im Altarraum wurden überbaut. Dort ist jetzt ist ein Wandgemälde von Eberhardt Münch zu sehen, dass in Orange- und Gelbtönen die zentrale Hoffnung des christlichen Glaubens aussagt: Auferstehung. Das von Königin Auguste Maria im Jahre 1865 gestiftete schwarze Kruzifix wird aus beinahe jeder Perspektive der Kirchenbesucher vom Auferstehungslicht hinterleuchtet. So verbindet sich Kreuz und Auferstehung zur christlichen Hoffnung.

Wie aber geht der Weg von Leid und Krieg hin zum Licht? „Der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein“, so ist es auf der Seitenwand zu lesen. Sie verbindet Erinnerung und Hoffnung auf die Zukunft und spielt von den Violett-tönen über ins Orange. Ein wichtiger Beitrag im Jahr 2014, einem sehr friedlosen Jahr: Wenn nicht Gerechtigkeit auf dieser Welt einkehrt, wird nie Friede sein.

Im Altarbild sind einige Dinge erwähnenswert: Die kleinen Quadrate links unten nehmen das überbaute Mosaik und die Soldaten auf. Jedes individuell wie die Männer. Auf der rechten Seite nimmt Münch das in dem Glasfenster darüber befindliche offene Grab auf, weiter rechts eine Materialaufbringen, die die Einschusslöcher auf der Außenseite „heilen“ soll.

Einen besonderen Blick verdienen diese Glasfenster insgesamt. Sie greifen symbolisch wichtige Ereignisse aus dem Leben Jesu auf: Geburt, Besuch der Weisen aus dem Morgenland unter dem Morgenstern, Abendmahl, Grablegung, Auferstehung.Sie zieren unsere Kirche seit den 50ern, aber erst durch die Farbgebunbg Eberhard Münchs ergibt sich ein stimmiges Farbensemble.

Über dem Spitzbogen zwischen Schiff und Chor, beginnend knapp über der Kanzel, wurde der Aaronitische Segen angebracht („Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und schenke dir Frieden.“).

Der Fußboden

Als im September 2010 eine neue Fußbodenheizung gebaut werden musste, stellte sich die Frage nach einem neuen Bodenbelag. Unter der Treppe zur Empore und zur Kanzel fand sich die alte, im Jahre 1865 von Villeroy und Boch hergestellte Bodenfliese. Diese war im Jahr 1977 von der ersten, elektrischen Bodenheizung überbaut worden.

Dieser ursprüngliche Boden fand sich dann auch bei den Bauarbeiten unter dem Estrich. Er konnte nicht wieder hergestellt werden.

Stattdessen wurden die Fliesen vom Losheimer Keramikkünstler Andreas Kutsche rekonstruiert und im Schiff in Form eines kreuzförmigen Teppichs sowie als Umrahmung des Altars neu verlegt.

Lutherrose unter der Kanzel

 

In Art und Ausführung ist die Lutherrose unter der Kanzel den überdeckten Gdenktaflen ähnlich. Sie wurde zur gleichen Zeit angebracht.

Luther selbst hatte sich das Symbol als Siegel augesucht und es so begründet: "Das erste sollte ein Kreuz sein: schwarz im Herzen, das seine natürliche Farbe hätte damit ich mir selbs Erinnerung gäbe, dass der Glauben an den Gekreuzigten uns selig machet.

Denn der Gerechte wird seines Glaubens leben den Glauben an den Gekreuzigten. Solch ein Herz aber soll mitten in einer weißen Rose stehen, anzuzeigen, dass der Glaube Freude Trost und Friede gibt, darum soll die Rose weiß und nicht rot sein; denn weiße Farbe ist der Geister und aller Engel Farbe.

Solche Rose stehet im himmelfarbenen Felde, dass solche Freude im Geist und Glauben ein Anfang ist der himmlischen Freude zukünftig. Und in solch Feld einen güldenen Ring, dass solch Seligkeit im Himmel ewig währet und kein Ende hat und auch küstlich über alle Freude und Güter, wie das Gold das höchste edelste und köstlichste Erz ist."

 

 

 

Kanzelfiguren

Um die Kanzel herum stehen die Evangelisten, die, jeder aus seiner besonderen Sicht, die Worte und Werke Jesu niedergeschrieben haben. Hersteller und Ursprung konnten bishere nicht ermittelt werden. Interessanterweise gibt es aber alte Bilder aus der katholischen Kirche St. Johannes und Paulus in Beckingen, die 

an einer inzwischen beseitigte Kanzel dieseleben Figuren zeigen. Offenbar handelt es sich also nicht um unikate. Wahrscheinlich stammen sie aus der Terrakottafabrik von Fellenberg hier in Merzig, die heute zu Villeroy und Boch gehört.

Die 4 Statuen stehen stellvertretend für ihre Bücher, die sie ja auch in der Hand haben. Sie stehen um den Prediger herum und mahnen ihn, seine Aufgabe wahrzunehmen: Das Evangelium in unsere heutige Zeit hinein auszulegen.

Die Gemeinde wird durch die Figuren der Evangelisten an diese Grundlage erinnert. Die Figuren mahnen, die Predigttätigkeit des Pfarrers kritisch zu begleiten. Jeder Christ ist nämlich dazu berufen, Bischof des Pfarrers zu sein.

"Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist: Jesus Christus." Dieser Spruch steht schon im Siegel der evangelischen Kirchengemeinde Merzig. Jesus Christus, wie er uns in den Evangelien überliefert ist. Keine Heiligen, keine allmächtige und unfehlbare Kirche, keine christlichen Traditionen: Allein Christus, allein die Schrift zählen bei uns.

Das bedeutet eben: evangelisch sein.

Der Baumeister

Carl Friedrich Müller, Kreisbaumeister
* 14. Juni 1833 in Hersfeld

Studium in Kassel bei Georg Gottlob Ungewitter
1857 ins Saarland gekommen (Mitarbeit im Eisenbahnbau)
1879 Kreisbaumeister

Verschiedene neugotische Kirchen in der ganzen Gegend, z.B.




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